30. März 2015 mainwunder

„Das Cover ist verkaufsentscheidend“

Interview mit der Buchcoverdesignerin Juliane Schneeweiss über die Do´s und Don´ts eines Buchcovers, Preise und die richtige Wahl des Designers

Ich weiß nicht wie es euch geht: Als Agentur, die in der Buchbranche zuhause ist, erkennt das geschulte Auge professionelle Buchcover sofort. Da kann das Herz, ohne überhaupt einen ersten Satz  gelesen zu haben, beim Anblick des Buches schon mal hüpfen, der Mund kann sich zu einem Lächeln formen und wir sind neugierig – ja so neugierig, was sich wohl hinter dem tollen Cover verbirgt. Ein tolles Cover sticht aus allen anderen Covern hervor. Es ist wie ein Gemälde, dass den Inhalt malt – so dass es genau die Zielgruppe anspricht, die es ansprechen soll.

Das Buchcover ist also ein ganz entscheidender Faktor dafür, ob das Buch gekauft wird oder nicht. Gerade in Zeiten von Amazon, in dem man das Buch nicht mehr haptisch in den Händen hält, aufschlägt, dreht, das Material fühlt, die ersten Zeilen liest – ist das Cover das Einzige, was in den tiefen Schluchten der Online-Büchershops die Aufmerksamkeit auf das Buch lenkt. Mainwunder hat bei der professionellen Buchcoverdesignerin Juliane Schneeweiss nachgefragt, was ein gutes Cover ausmacht, worauf man bei der Wahl des richtigen Designers achten muss und was einen preislich erwartet. Ihr werdet überrascht sein! Die professionelle Buchcoverdesignerin Juliane Schneeweiss beantwortet alle Fragen. Die studierte Grafik-Designerin erstellt mit Liebe zum Detail und ganz viel Herzblut E-Book-Cover, Print-Cover und alles, was man an grafischen Dingen für das Buchmarketing benötigt. Mehr Informationen auf ihrer Website und über Facebook/juliane.schneeweiss
JuliSchneeweiss_Autorenportrait

mw: Liebe Juliane, das Cover ist aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig wie der Inhalt eines Buches. Wie siehst Du das?
Juliane Schneeweiss: Auf jeden Fall. Viele wollen es nicht wahr haben, aber das Cover ist definitiv verkaufsentscheidend. Es ist das Aushängeschild des Buches und ist dazu da die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und neugierig auf den Inhalt zu machen. Wer auf lange Sicht Erfolg haben will sollte sich natürlich nicht nur mit einem schönen Cover schmücken. Aber um Leser zu gewinnen und sich auf dem Buchmarkt behaupten zu können sollte man die Wirkung des Covers auf den Verkauf keinesfalls unterschätzen. Schließlich gibt es unendlich viel Konkurrenz da draußen und wenn es das Cover schafft die Leser dazu zu bringen sich ein Buch näher anzusehen – den Klappentext und/oder die Leseprobe zu lesen – dann hat es seinen Job getan.

mw: Welche Auswirkungen hat das Cover auf das gesamte Buchmarketing eines Autors?
Juliane Schneeweiss: Das Cover sollte beim weiteren Marketing unbedingt im Vordergrund stehen. Schriftarten, Farben und Stimmung dürfen gerne übernommen werden um Anzeigen, Banner, Flyer und Poster zu gestalten. Ein Rundumpaket, das in sich geschlossen ist, wirkt sehr professionell und vermittelt gleichfalls, dass viel Aufwand betrieben wurde um das Buch zu bewerben, was wiederum einen positiven Eindruck hinterlässt. Man kann sich das wie das Corporate Design einer Firma vorstellen, sozusagen eine Geschäftsausstattung für das Buch.

mw: Du beobachtest seit Jahren den Markt: Hat sich das Coverdesign in den letzten Jahren verändert – in welche Richtung geht die Entwicklung?
Juliane Schneeweiss: Das Coverdesign ist, wie alle andere Bereiche in der Bücherbranche, in Bewegung. Wenn man sich die amerikanischen Coverdesigner ansieht weiß man ungefähr, wo wir in zwei bis drei Jahren sein werden. Das Design wird offener und Illustrationen und Vektorgrafiken, wie man sie häufig auf Chick-lit-Romanen sieht, rücken mehr in den Vordergrund. Die Typografie des Titels nimmt mehr Raum im Cover ein und geht auch mal über das gesamte Cover. Durch den großen Anteil E-Books am Markt wird zusätzlich die Farbgebung immer wichtiger. Schriller, bunter, weiter ist die Devise. Da das Cover, vor allem in kleinem Format, Aufmerksamkeit erregen muss, geht es weniger um Details, als mehr um die allgemeine Wirkung.

mw: Was sind die absoluten Dont´s?
Juliane Schneeweiss: Es gibt eine ganze Reihe Dont’s. Alle aufzuzählen würde an dieser Stelle zu weit führen. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass nicht mehr als zwei unterschiedliche Schriften auf einem Cover zu finden sein sollten. Das selbe gilt für die Schriftfarben. Zu bunt wirkt schnell unprofessionell. Schrift sollte vor allem lesbar sein und deshalb sind extreme Styles ebenfalls ein No go. Viele Anfänger machen den Fehler und überladen ein Cover mit extravaganten Schriften und Farben – hier gilt vor allem: Weniger ist mehr. Auch das „Schriftmischen“ will gekonnt sein: Wahllos zwei Schriften zu kombinieren kann schnell unprofessionell aussehen. Ich würde jungen Coverdesignern empfehlen, sich vom klassischen Design mit einfachen Schriftarten (z.B. Garamond, Times, Arial) langsam nach vorne zu tasten anstatt bei einer verschnörkelten Schrift anzufangen, die man nicht mal bei gutem Licht erkennen, geschweige denn lesen, kann.

mw: Was macht ein gutes Cover aus?
Juliane Schneeweiss: Ein gutes Cover zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es zum Buch passt. Es sollte den Leser abholen, ihm die Stimmung vermitteln und ihn neugierig machen. Dabei sollte es natürlich nicht zu viel vom Inhalt verraten, nur andeuten. Bei einem professionell gestalteten Cover sind nicht wahllos Bilder und Schriften angeordnet, sondern wurden komponiert. Die Positionierung der einzelnen Bestandteile ist entscheidend für die Wirkung. Dabei sollte jeder Designer einen Fokus kreieren, damit das Auge des Betrachters gelenkt wird. Wenn man in kleinem Format bereits erkennt, um welches Genre es sich handelt und man auch noch den Titel lesen kann, ist es gut gelungen. Wer es dann noch schafft sich von der Masse abzuheben, mit einer pfiffigen neuen Idee zum Beispiel, der hat alles getan, um seinem Buch den bestmöglichen Start auf dem Markt zu ermöglichen.

mw: Selfpublisher oder Verlagsautor –hat das einen Einfluss auf das Cover?
Juliane Schneeweiss: Der große Unterschied ist in erster Linie der Preis. Viele Selfpublisher, die gerade erst starten, haben nicht die Mittel um sich an eine Agentur oder einen Cover-Designer zu wenden, da Lektorat, Korrektorat und Werbung schließlich auch einiges kosten. Sie helfen sich meist mit selbstgestalteten Covern oder Zeichnungen von Freunden aus. Dadurch stehen ihre Chancen auf dem Markt nicht unbedingt besser. Als Verlagsautor wiederum muss man nichts für das Cover bezahlen, das übernimmt der Verlag. Dafür hat man selten Mitspracherecht bei der Gestaltung und muss mehr oder weniger das Cover akzeptieren was einem der Verlag bzw. der Designer vorlegt. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Wer ganz sicher gehen will, engagiert schon im Vorfeld einen Designer seines Vertrauens, arbeitet mit ihm zusammen ein Cover aus und überreicht das dann dem Verlag, in der Hoffnung, dass sie es akzeptieren.

mw: Was rätst Du Selfpublishern in Bezug auf ihre Covergestaltung?
Juliane Schneeweiss: Spart lieber ein paar Monate länger und sucht euch professionelle Hilfe. Ob ihr es glauben wollt oder nicht, aber eure Chancen gesehen und gelesen zu werden steigen mit dem richtigen Cover enorm in die Höhe. Ihr dürft nicht vergessen, dass ihr da draußen mit Verlagsgrößen konkurriert und ihr wollt doch nicht schon in der ersten Runde – nämlich beim ersten Eindruck – ins „Aus“ geraten.

mw: Was ist der Preis für ein gutes Cover oder gibt es eine Preisspanne, mit dem ein Autor für einen professionellen Coverdesigner rechnen muss?
Juliane Schneeweiss: Das kann man nicht pauschal beantworten. Alles unter 100 Euro halte ich aber schlichtweg für ungeeignet. Ein Designer der nicht einmal zwei Stunden an einem Cover sitzt kann sich nicht viele Gedanken um den Inhalt und die Gestaltung gemacht haben. Ein gutes, und vor allem passendes, Cover braucht seine Zeit und das wiederum kostet Geld. Es gibt Cover von Hobby-Designern schon ab 100 Euro. Wer sich einen Profi an Land holen will sollte schon mit 200-300 Euro rechnen. Ich kenne Designer die nehmen 600 Euro und leisten eine wirklich gute Arbeit, ihre Cover zieren auch die meisten Verlagstitel. Wer also mit den Großen mithalten will, sollte nicht am falschen Ende sparen. Wer als neuer Autor noch nicht weiß, ob er mehr als ein Buch schreibt, kann sich ein preisgünstigeres Premade-Cover kaufen (ein vorgefertigter Entwurf, bei dem nur noch Titel und Autorenname verändert werden) und testen, ob es sich lohnt mehr, aus seinem Hobby zu machen.

mw: Hast Du Erfahrungen mit Autoren, deren Buchverkäufe durch ein professionelles Cover deutlich gestiegen sind?
Juliane Schneeweiss: Ja und nicht zu wenige. Viele meiner Kunden, gerade im Selfpublishing-Bereich, schwärmen noch heute von dem Erfolg den sie mit ihrem Buch haben, gerade wegen des Covers. Einige haben es sogar auf die Bestseller-Listen von Amazon gebracht. Das ist natürlich auch für mich ein großes Kompliment.

mw: Worauf muss ich bei der Wahl eines Buchcoverdesigners achten?
Juliane Schneeweiss: Ich würde mir in erster Linie die bisherigen Arbeiten eines Buchcoverdesigners anschauen. Ein Portfolio sagt sehr viel über die Erfahrung und die Stilrichtung eines Designers aus und kann dem Kunden einen Vorgeschmack auf das Endergebnis liefern. Es gibt natürlich keine Erfolgsgarantie, aber wenn die Arbeiten gut gestaltet sind und auch das Genre passt, steht einer erfolgreichen Zusammenarbeit nichts im Wege. Wer Wert auf Qualifikationen legt sollte sich den Lebenslauf ansehen. Findet man dort einen Hinweis auf eine/ein abgeschlossene/s Ausbildung/Studium in dem Bereich, kann man sich sicher sein, dass der Designer sein Handwerk versteht und nicht nur eine Schrift auf ein Stock-Foto packt und es als Cover verkauft. Sprechen Sie den Designer an, fragen Sie einfach nach, ob ihre Idee umsetzbar ist. Ich bin sicher, dass es für jeden Autoren den passenden Designer da draußen gibt.

Vielen Dank Juliane für das spannende Interview.

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