12. August 2016 mainwunder

Der perfekte Leser: Von Mythen und Annahmen in der Zielgruppendefinition

Warst Du schon einmal in einem Coaching, z.B. im Rahmen Deiner beruflichen Tätigkeit? Und hat man Dir da von „Deinem perfekten Kunden/Chef/Mitarbeiter“ erzählt? Dieses Bild vom „perfekten XY“ wird gerne verwendet, wenn es um Themen wie Erfolg geht. Angeblich zieht man sich dann seine perfekten Kunden an. Ich habe mich gefragt, ob dieses „Ich-wünsch-mir-den-perfekten-Kunden“ auch für Autoren und ihre Leser funktionieren könnte. Und was soll ich sagen: Nein, es ist einfach totaler Quatsch! Es gibt nicht den einen Leser, jeder Leser ist anders und wählt Dein Buch aus einer anderen Motivation heraus aus. Und man zieht ihn auch nicht an, nur weil man sich den perfekten Leser kreiert. Und weil wir schon dabei sind, räumen wir gleich mit ein paar weiteren Mythen auf.

1. Nicht wünschen, sondern in Beziehung gehen

Es ist ganz einfach: Um wirklich mehr über Deine Leser zu erfahren, musst Du sie Dir nicht wünschen, sondern mit ihnen in Beziehung gehen – egal ob über eine Anzeige, eine Leser-Aktion, einen Facebook- oder Instagram-Post oder weil er dich über einen Presseartikel kontaktiert. Das ist der erste Schritt. Ich kannte mal einen Autor, der weder online noch offline unterwegs war. Er wusste einfach nicht, wer sich eigentlich für sein Buch interessiert und er stand auch nicht in Beziehung mit ihnen. Nur wenn wir in Kontakt mit unseren Lesern gehen und dort sind, wo sie sind, können wir wirklich erfahren, wer die Menschen sind, die unsere Bücher kaufen. Es geht nicht darum, zu sagen, welche Leser ich mir als Autor wünsche. Sondern, dass ich sie erreiche. Dass ich Teil ihres Lebens bin. Dass ich Zugang zu ihnen habe, um ihnen notwendige Informationen und Botschaften zuspielen zu können. Nur so kann ich sie zu Lesungen, zu Meet&Greets, zu Gewinnspielen einladen. Nur so kann ich sie auf meine Bücher aufmerksam machen.

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2. Nicht Du suchst Dir Leser aus, sie suchen Dich aus

Ein großer Denkfehler bei diesem „Ich wünsch mir den perfekten Leser“-Konzept ist der, das wir das Pferd von der falschen Seite aus aufzäumen. Es geht nicht darum, dass Du Dir die Leser aussuchst. Du und Du darfst mein Buch lesen, aber Du nicht. So funktioniert es nicht! Der Leser sucht sich DICH und Dein Buch aus. Nicht andersherum. Es geht also im Buchmarketing nicht darum, sich die perfekten Leser rauszusuchen, von denen man annimmt, dass ihnen mein Buch bestimmt gefallen könnte. Es geht darum, dass der Leser Dich und Dein Buch findet. Und dass er dann so neugierig ist, weil Du so sympathisch, offen, lustig oder geheimnisvoll bist, dass er Dich kennenlernen möchte. Oder weil das Buch so ein tolles Cover oder einen Titel hat, der ihn anspricht. Eigentlich ist es ganz einfach: Bringe ein gutes Buch heraus mit allem, was dafür nötig ist. Und zeige Dich. 

Viele scheitern auf dem Weg von der Theorie in die Praxis Klick um zu Tweeten

3. Und jetzt? Die Praxis

Okay, nehmen wir an, Du kennst Deine Zielgruppe schon (etwas). Und willst jetzt Dein Marketing an ihnen ausrichten. Wie geht das? Viele scheitern an genau dem Punkt. Das ist auch der Schwierigste – von der Theorie in die Praxis zu gehen. Weißt Du, ich bin kein Freund von Theorien, ich mag es, Dinge umzusetzen. Die Branche ist so schnelllebig, jeden Tag strömen tausende neue Bücher auf den Markt – wenn Du Monate überlegst, wie was wo richtig sein könnte und nichts tust, ist der optimale Zeitpunkt für Marketing vorbei. Aber zurück zum Thema.
Du willst jetzt Marketing für Dein Buch machen, vielleicht ist es schon am Markt, vielleicht erscheint es erst. Und Du hast jetzt eine ungefähre Ahnung davon, wer sich für Dich und Dein Buch interessiert. Nehmen wir an, Du hast eine sehr junge Leserschaft, zwischen 13 und 18 Jahren. Dann musst Du Dein Marketing anders planen als wenn Deine Leser zwischen 30 und 40 Jahre alt sind. Junge Leser lieben Interaktion, Videos, Bilder aus Deinem Leben, Spaß, Außergewöhnliches, Gewinnspiele, Geschenke und dass sie Dich ganz nah erleben dürfen. Sie mögen es, viel Kontakt zu Dir zu haben, weil sie so das Gefühl haben, Teil Deines spannenden Lebens zu sein. Es gibt nur zwei Punkte, an denen Du sie Dir greifen kannst. Online und auf der Buchmesse. Vergiss Lesungen, Zeitungsartikel & Co. – damit erreichst Du sie nicht bzw. wird das so gut wie keine Auswirkungen auf Deine Buchverkäufe haben. Dein Fokus sollte immer darauf liegen, mit Deiner Zielgruppe in Beziehung zu gehen und dort zu sein, wo sie sich am Liebsten aufhalten, wenn sie sich mit Büchern beschäftigen.
Erstelle Dir einen Marketingplan: Wähle Promo-Plattformen so aus, das Du genau weißt, wen Du mit welcher Plattform ansprichst.  Wenn ich Autoren eine Plattform empfehle, dann deshalb, weil ich weiß, dass sich das Klientel, was sich dort aufhält, mit der jeweiligen Zielgruppe übereinstimmt. Du kannst sogar Blogs entsprechend auswählen, dass sie Deine Zielgruppe mehr oder eben weniger erreichen.
Wenn Du nicht weiter weißt, frag zum Beispiel die Plattform-Betreiber oder den Blogger. Wer liest Deinen Blog, wer besucht Deine Plattform, wie gut sind die Klicks bei dem und dem Genre usw. .

4. Eine Zielgruppe ist nicht in Stein gemeißelt
Dein Buch muss nicht für alle Ewigkeit die gleiche Zielgruppe haben. Wenn Du feststellst, dass zum Beispiel Dein Cover und Dein Titel eher das ältere Klientel anspricht, aber diese das Buch schlecht bewerten, da Dein Schreibstil eher jugendlich ausgerichtet oder das Thema eher für jüngere Menschen relevant ist – dann denke nochmal über die Positionierung Deines Buches nach. Und mache es im Zweifel neu. Wir haben schon einige Bücher neu aufgesetzt, nicht aus Spaß, sondern beispielsweise weil es aufgrund eines miesen Covers oder unpassenden Titels schlecht verkauft wurde. Für mich zählt vor allem eines: Harte Fakten. Schlechte Verkaufszahlen zeigen, dass einiges falsch läuft. Ein anderer Grund könnte sein: Vielleicht ist einfach das Buch schon etwas älter. Dann bringt ein neues, zeitgemäßes Kleid wieder richtig Schwung ins Marketing. Und in Deine Verkaufszahlen.

Am Ende zählen beim Buchmarketing die harten Fakten - die Verkaufszahlen. Klick um zu Tweeten

Noch ein Wort zum Abschluss. Habe keine Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen. Wenn eine Promo nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat, weißt Du es beim nächsten Mal besser. Wenn auf Deine Posts keine Reaktionen in Form von Kommentaren etc. kommen, lerne daraus und mache es anders. Bis es funktioniert. Bis Du das Gefühl hast, dass Dich Deine Leser verstehen, dass sie reagieren und Du mit ihnen in Beziehung gehen kannst.

Die Zielgruppe ist nur einer von vielen Bausteinen, die für Dein Marketing wichtig sind. Viel wichtiger ist, ins Tun zu kommen und von den Ergebnissen zu lernen. Wenn mich ein Autor fragt, was seine Zielgruppe ist, habe ich eine Annahme. Ob diese stimmt, muss ich prüfen und das kann ich nur durchs Tun. Deshalb halte Dich nicht damit auf, Dir Deinen Wunschleser zu stricken. Nur aus real existierenden Beziehungen, über Klicks, Kommentare, Mails, Newsletter-Abonennten und dem Wichtigsten, den Buchverkäufen, kannst Du wirklich herausfinden, wer Deine Leser sind und Dein Marketing immer besser an ihnen ausrichten.

Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg und vor allem Spaß beim Tun!

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