15. August 2016 mainwunder

Dienstleister in der Buchbranche: Warum es sich als Autor lohnt mehr zu bezahlen

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Dass die Buchbranche ein hartes Pflaster ist, das wusste ich von Anfang an. Dass es für Dienstleister für Autoren wie Coverdesigner, Lektoren oder eben Marketingberater aber besonders hart ist, das zeigt sich erst, wenn man mit beiden Füßen mittendrin steckt in der Buchbranche.

Heute ist nicht nur bei den Banken und IT-Unternehmen ein immer weiter, größer, schneller angesagt, sondern auch bei uns, die zwischen all den friedlich zwischen Pappe daliegenden Buchseiten zur nächsten Veröffentlichung hetzen, noch schnell ein Cover über Nacht fertig machen und mal eben im zehnminütigen Telefonat einen ganzen Marketingplan aufstellen. Warum ich das Thema heute zur Sprache bringe? Weil es mir in letzter Zeit immer wieder auffällt, wie unterschiedlich Service verstanden wird. Da schreibt der Steuerberater eine fette Rechnung für etwas, das er nicht wusste und recherchieren musste.
Da wird das Telefonat mit einer fremden Webdesignerin mittendrin beendet, weil das Stundenbudget aufgebraucht ist. Beides würde mir nie einfallen. 

Es sind die Menschen hinter den Büchern, die all das mittragen, was der Autor zu tragen hat. Von Schreibblockaden, Unsicherheiten, Frustration wegen Geld und Verlagsabsagen bis hin zu überzogenen Erwartungen. Leider gibt es vereinzelt Menschen, die denken, dass Dienstleister sich zum Spaß Nächte um die Ohren schlagen oder den ganzen Tag am Telefon verbringen, um Strategien zu besprechen. Und so wird diskutiert, über jeden Euro mehr fürs Cover, um jede Beratungsstunde des Beraters, die in Rechnung gestellt wird. Dann gibt es die, die sich der vermeintlichen Erwartung beugen und ihre Arbeit für immer weniger Geld anbieten. Die brillante Cover für 100 Euro machen, obwohl sie fünfmal so viel wert sind. Und dann gibt es die, die ihre Arbeit wertschätzen, da sie wissen, was ein gutes Cover bewirkt. Die wissen, dass wenn ein Autor mehr bezahlt, er auch mehr erwarten kann. Eben mehr kriegt für sein Geld. Und das hat nicht immer mit der Tätigkeit als solche zu tun. Da werden dann Pressemitteilungen eben sonntags neu geschrieben, damit sie am Montag raus können. Ist ansprechbar für alle spontan auftretenden Fragen und Nöte. Ist kurzfristig abrufbar, was gerade im Krisenmanagement oder in turbulenten Zeiten einer Buchveröffentlichung von immenser Bedeutung ist. Denn den Lektor kurz vor Druck dann telefonisch nicht zu erreichen kann bei manchen Menschen zu wahren Panikzuständen führen – zu recht! Was eine Dienstleistung wert ist, entscheidet letztlich der Dienstleister selbst. Und ob er sich darauf einlässt, über seinen Wert bestimmen zu lassen und billiger zu werden. Dabei ist es in unserer Branche genau so wie in jedem anderen Wirtschaftszweig, der Dienstleister bestimmt seinen Preis. Und wer den Besten möchte, muss auch entsprechend entlohnen.

Immer wieder wird mir klar, warum ich noch zu günstig bin für das was ich leiste. Und das wird mir auch in letzter Zeit immer wieder von Kunden gesagt. Weil es in meinem Geschäft um harte Fakten geht. Es geht um Verkaufszahlen, Rankings, um große Anzahl von neuen Followern und Lesern. Es geht um Aktionen, die Mehrwert bringen MÜSSEN. Es geht um Ideen, die sonst keiner hat und die auch sonst an keinen anderen Autor weitergegeben werden. Alles ist individuell, alles ist harte Kopfarbeit, die viel Zeit und Nerven in Anspruch nimmt. Was das alles impliziert? Enge Kontakte zu wichtigen Plattformen, Fanseiten, Bloggern, aber auch zu Buchmesse, Medien und Leselocations. Das sich immer auf dem neusten Stand halten, was es technisch am Markt gibt. Sich mit den besten Experten und Bloggern der Branche vernetzen und nur mit ihnen zusammenarbeiten. Das bedeutet immer wieder neue Technik anschaffen, auch aus den USA. Sich weiterbilden, immerzu, jeden Tag. Das heißt auch, meine Mitarbeiter fair zu entlohnen, ihnen Arbeit zu geben, sie immer wieder zu motivieren, indem wir neue, spannende Projekte umsetzen. Von alldem profitieren meine Kunden ohne dafür zu bezahlen. Ob das meine Kunden sehen? Ich denke nur zu einem kleinen Teil. Und ich denke, dass es auch bei vielen anderen Dienstleistern so ist. Das ist auch in Ordnung, sie müssen das nicht wissen. Bis es um den Preis geht.

Dabei ist es doch so: Wer mehr kostet, muss auch mehr Qualität und einen höheren Servicestandard bieten. So bekommt ein Autor bei einem teureren Cover auch weitaus mehr Entwürfe und er muss kein Kompromiss-Cover befürchten. Da wird man nicht nach zwei Coverentwürfen hängen gelassen à la „friss oder stirb“. Auch in Sachen Beratung macht die persönliche Ansprechbarkeit den wesentlichen Unterschied. Wer einmal die verschiedenen Instanzen einer PR-Agentur durchgemacht hat, weiß, was es heißt, direkt vom Chef beraten zu werden – für das gleiche Geld wie für einen Junior. Wer weiß, wie lange Entscheidungen und Taten in solchen Agenturen brauchen, weiß schnelles Handeln und eine minutengerechte Betreuung von Lesern und Bloggern zu schätzen. Wer weiß, dass Steuerberater und Anwälte für jede einzelne Minute eine Rechnung stellen und sie vorher gar nicht anfangen mit einem zu sprechen, der weiß es zu schätzen, wenn die eigenen Dienstleister immer ansprechbar sind und fair abrechnen. Und das macht den Unterschied. Wer all das nicht braucht, gerne lange auf eine Antwort per E-Mail wartet und lieber von einem unerfahrenen Junior-Berater als direkt vom Geschäftsführer beraten werden möchte, der wird sicher an anderer Stelle fündig. Ob man dann glücklicher ist? Das ist die große Frage, die nur jeder für sich selbst beantworten kann.

Bis dahin wünsche ich mir mehr Anerkennung für die Arbeit UND den großen Service, den viele von uns für ihre Kunden tagtäglich leisten.

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