11. März 2015 mainwunder

Buchmesse: „Wir setzen auf die Kommunikation über soziale Medien“

Interview mit Julia Lücke, Pressesprecherin der Leipziger Buchmesse über die Neuausrichtung der Buchmesse, den Einsatz von Social Media in der Kommunikation und die Einbindung von Angeboten für Selfpublisher

Endlich ist es soweit – in wenigen Stunden öffnet die Leipziger Buchmesse ihre Pforten. Das jährliche Highlight in der Buchwelt, das Autoren, Verlage, Blogger und Dienstleister für einige Tage unter einem Dach vereint und Literatur zum Gemeinschaftserlebnis macht. Das Programm klingt in diesem Jahr besonders spannend. Wir wollten wissen: Wie gehen die Organisatoren mit den Veränderungen des Buchmarktes um? Reagiert die Buchmesse auf die zunehmende Zahl an Selfpublishern mit besonderen Angeboten? Und wie kommuniziert eine klassische Messe in Zeiten digitaler Kommunikation? mainwunder hat bei jemandem nachgefragt, der es wissen muss: Julia Lücke steuert als Pressesprecherin die Leipziger Buchmesse und ist bei allen Entwicklungen und Veränderungen hautnah dabei. Nach ihrem Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften arbeitete sie zunächst als PR-Beraterin. 2011 wechselte sie zur Leipziger Messe und betreute die Pressearbeit verschiedener Publikumsmessen. Seit 2014 verantwortet sie die Leipziger Buchmesse als Pressesprecherin.

mw: Liebe Frau Lücke, wir fiebern alle schon der Leipziger Buchmesse entgegen. Auf welche Highlights können sich Autoren, Verlage und Buch-Blogger in diesem Jahr freuen?Buchmesse Leipzig 04-2014
Julia Lücke: Auf ein Feuerwerk der Literatur! Die Leipziger Buchmesse im Verbund mit der Manga-Comic-Convention präsentiert in diesem Jahr 2.200 Aussteller. In unserem Rahmenprogramm Leipzig liest vereinen wir 3.000 Mitwirkende in über 3.200 Veranstaltungen an 410 Orten. Unser Messeschwerpunkt „1965 bis 2015. Deutschland – Israel“ beleuchtet anlässlich der 50-jährigen diplomatischen Beziehungen die Literatur beider Länder. Darüber hinaus kommen bekannte Autoren wie Günter Grass, Herta Müller, Jussi Adler-Olsen oder auch Thomas Brussig nach Leipzig – um nur eine Auswahl zu nennen.

mw: Hat sich die diesjährige Buchmesse im Vergleich zu denen der letzten Jahre verändert und wenn ja, worin genau?
Julia Lücke: Beständig neu – das trifft die Leipziger Buchmesse ziemlich gut. Das Lesefest „Leipzig liest“ zum Beispiel folgt seit 24 Jahren einem erfolgreichen Konzept: Wir verbinden Lesungen mit thematisch passenden Orten und sorgen damit für ein wahres Literaturerlebnis. Natürlich setzen wir jedes Jahr neue inhaltliche Schwerpunkte: In diesem Jahr feiern wir zum Beispiel „25 Jahre Deutsche Einheit“. Anlässlich dieses Themas schauen wir jedoch nicht nur zurück, sondern werfen den Blick auf die heutige Gesellschaft: Wie geht es den Menschen? Was bedeutet heute etwa das Thema Meinungsfreiheit? Und unser Messeschwerpunkt selbst wird natürlich auch spannende Diskussionen mitbringen.

Ein ganz anderes Thema: Seit letztem Jahr findet parallel zur Leipziger Buchmesse die Manga-Comic-Convention statt. Die Veranstaltung dreht sich um die Themen des Manga, Comic und Games und zieht ein ganz junges, farbenfrohes Publikum nach Leipzig, dass Literaturrezeption auf eine ganz andere Art und Weise versteht.

mw: Was macht die Buchmesse aus Ihrer Sicht aus?
Julia Lücke: In Leipzig kann man Literatur nicht nur lesen, sondern erleben. Auf dem Messegelände und in fast jeder Ecke Leipzigs sind literarische Schätze zu entdecken. Die Leipziger Buchmesse macht Literatur zu einem Gemeinschaftserlebnis – ein Gefühl, dass man beim Lesen von Büchern ja sonst eher selten kennt.

mw: Erstmals begleiten Literaturblogger den Preis der Leipziger Buchmesse, rezensieren ein nominiertes Werk vor Preisvergabe und dürfen diese auf ihrem Blog veröffentlichen. Ist das eine Antwort auf die zunehmende Bedeutung von Blogs in der Autoren- und Verlags-Kommunikation?
Julia Lücke: Die Zahl der Literaturblogs steigt stetig und damit auch ihre Bedeutung auf den Literaturmarkt. Schon seit vielen Jahren akkreditieren wir Blogger auf der Leipziger Buchmesse. Mit der Bloggerlounge möchten wir ihnen nun einen Raum bieten, um sich mit Vertretern der Branche auszutauschen und ins Gespräch zu kommen. Wir haben für unser Projekt von allen Seiten sehr positives Feedback bekommen, die Verlage waren extrem interessiert, um mit den Bloggern ins Gespräch zu kommen.

mw: Die digitale Welt hält immer mehr Einzug in den Buchmarkt – führt das auch zu tiefgreifenden Veränderungen bei der Buchmesse?
Julia Lücke: Wir möchten auf der Leipziger Buchmesse in erster Linie Inhalte vermitteln – das kann über das gedruckte Buch, das Hörbuch oder eben das E-Book passieren. Auf der Leipziger Buchmesse haben wir zahlreiche Anbieter digitaler Produkte und Dienstleistungen. Das Segment ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Aktuell ist das gedruckte Buch aber noch immer deutlich in der Überzahl.

mw: Wie binden Sie digitale Kanäle in die Kommunikation ein?
Julia Lücke: Die Kommunikation bei der Buchmesse erfolgt über zahlreiche digitale Kanäle. Ganz klassisch angefangen: Auf unserer Website (http://www.leipziger-buchmesse.de/)kann man sich umfassend über das Programm, die Aussteller und alle Inhalte auf der Messe informieren. Unser umfangreiches Programm „Leipzig liest“ ist in einer Datenbank komfortabel abrufbar. Darüber hinaus betreiben wir einen Youtube-Kanal, spielen über Facebook und Twitter unsere Themen und vernetzen uns dort.

mw: Welche Rolle spielt Social Media in der diesjährigen Buchmesse-Kommunikation und nimmt diese aus Ihrer Sicht an Bedeutung zu?
Julia Lücke: Die Leipziger Buchmesse betreibt schon seit einigen Jahren einen Facebook- und Twitter-Kanal. Bei Facebook zählen wir inzwischen über 40.000 Fans – eine stolze Zahl und für uns eine gute Möglichkeit, mit unseren Fans ins Gespräch zu kommen. Mit unserer Bloggerlounge und den Bloggerpaten setzen wir weiterhin auf die Kommunikation über soziale Medien. In diesem Jahr werden ausgewählte Blogger die Nominierten des Preises der Leipziger Buchmesse begleiten und Rezensionen zu den Büchern schreiben. Die Einbindung kommt gut an: Als wir das Projekt das erste Mal kommuniziert haben, war die Begeisterung in den sozialen Medien hoch. Und auch die klassischen Medien haben darüber berichtet.

mw: Die Zahl an Self-Publishern und Dienstleistern für Self-Publishing steigt zunehmend. Wie geht die Buchmesse damit um?
Julia Lücke: Die Leipziger Buchmesse widmet sich seit mehreren Jahren den Selfpublishern. Mit autoren@Leipzig haben wir ein spezielles Fachprogramm geschaffen, das den digitalen Wandel der Buchbranche begleitet. In diesem Jahr präsentieren wir erstmals den Autorengemeinschaftsstand: Hier können Self-Publisher ihre Werke ausstellen und im Rahmen von „Leipzig liest“ präsentieren. Zudem wird seit drei Jahren der Indie-Autor-Preis auf der Buchmesse vergeben. Auf der Leipziger Buchmesse möchten wir die ganze Bandbreite des Verlegens abbilden – dazu gehört natürlich auch das Thema „Self Publishing“.

mw: Welche Angebote haben Sie für Self-Publisher parat?
Julia Lücke: Im Rahmen des Leipziger Bücherfrühlings findet die Leipziger Autorenrunde statt. An 18 jeweils parallel laufenden Tischgesprächsrunden werden Themen wie Marketing, Verlagswesen und Agendasetting thematisiert. Zu einem Meet & Greet von Autoren mit Verlegern lädt der Bundesverband junger Autoren (BVjA) gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse ein: Am 15. März können Autoren im Fachforum 1 (Halle 5, Stand D600) ihre Skripte renommierten Lektoren, Literaturagenten oder Verlegern – beispielsweise der Verlagshäuser Ullstein oder Piper – vorstellen.

mw: Liebe Frau Lücke, vielen Dank für das spannende Interview.

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