20. März 2015 mainwunder

„Ich bin eine exzessive Autorin“

Interview mit  Poppy J. Anderson, der ersten deutschen Amazon Millionärin auf dem deutschen Buchmarkt über die Geheimnisse ihres Erfolgs, erlebbare Marketingaktivitäten und starke Männer

Sie ist eine von den jungen, modernen Selfpublishern, zu der jeder Schreiberling aufschaut, der den Traum von eigenen Buch im Selbstverlag realisieren möchte. Als erste deutsche Autorin hat sie mit ihren Büchern die Grenze von einer Million Buchverkäufe auf Amazon geknackt, ihr aktuelles Buch „Cheerleader küsst man nicht“ kletterte auf Platz 1 der Kindle Charts. Auch in Sachen Marketing und Kommunikation macht sie vor wie es geht: Bei Fotoshootings und auf Messen macht sie ihre Protagonisten lebendig. Ihre Leser lieben ihr Footballteam, das sogar ein eigenes Maskottchen und Merchandising-Artikel hat. Ich wollte wissen – was sind die Geheimnisse ihres Erfolgs? In einem sehr intimen Interview gibt die Autorin  mainwunder tiefe Einblicke in ihre Arbeit und ihren Weg zur Bestsellerautorin.
Poppy J. Anderson ist das Pseudonym einer deutschen Autorin mit amerikanischen Wurzeln. Die Historikerin und Germanistin veröffentlicht seit Ende 2012 als Selfpublisherin moderne Liebesromane. Mittlerweile hat sie eine Million Bücher verkauft. Drei ihrer Bücher wurden über Rowohlt verlegt.
Ihren aktuellen Roman findet ihr bei Amazon.

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mw: Liebe Poppy, Du bist die erste Amazon Millionärin auf dem deutschen Markt. Wie fühlt sich das an?

Poppy J. Anderson: Unglaublich, um es ganz platt zu sagen. Vor nicht einmal zweieinhalb Jahren habe ich spaßeshalber mein erstes Buch bei Amazon hochgeladen
und niemals damit gerechnet, so viel zu erreichen.

mw: Dein  neuer Roman „Cheerleader küsst man nicht“ belegte zehn Tage lang Platz 1 der Kindle Charts. Unter uns: Was ist Dein Geheimnis?

Poppy J. Anderson: Natürlich könnte ich jetzt sagen, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und extrem viel Glück hatte. Das stimmt sogar zu einem gewissen Teil, aber hinter diesem „Geheimnis“ steckt im Grunde nichts anderes als unglaublich harte Arbeit. Ich bin eine exzessive Autorin, die teilweise bis zu zwanzig Stunden pro Tag arbeitet und auch am Wochenende am Schreibtisch sitzt.

mw: Bis 2012 hast Du gar nicht über den Beruf Autorin nachgedacht. Was hat letztlich den Ausschlag gegeben, doch mit dem Schreiben zu beginnen und veröffentlichen zu wollen?

Poppy J. Anderson: Geschrieben habe ich seit meiner Teenagerzeit und ich verbrachte auch während des Studiums viel freie Zeit damit, mehrbändige Romanreihen zu schreiben, um mich von den teilweise knochentrockenen Seminararbeiten abzulenken. Jedoch war dies stets als ein Hobby gedacht. Als ich Ende 2012 zum ersten Mal den Begriff „Selfpublishing“ hörte, dachte ich, dass es ganz interessant sein könnte, das eigene Buch über die Amazon-Plattform KDP hochzuladen. Erwartungen hegte ich keine, sondern erhoffte mir lediglich etwas Feedback.

mw: Als Du mit Schreiben begonnen hast – war es für Dich sofort klar, worüber Du schreiben möchtest und dass es mit Football zu tun haben soll?

Poppy J. Anderson: Früher habe ich vor allem über historische Themen geschrieben. Mein Steckenpferd ist schon immer die Geschichtswissenschaft gewesen, weswegen ich mich nach dem Abitur auch für ein solches Studium entschlossen habe. Erst vor wenigen Jahren begann ich damit, moderne Romane zu schreiben. Das Football-Thema kam ganz spontan auf, da ich nach einem Job für meinen Protagonisten suchte, der ihn dazu zwang, oft den Wohnort zu wechseln und unterwegs zu sein. Zu jener Zeit lief im Fernsehen ein Werbespot für die NFL. Spontan wurde aus meinem Protagonisten ein Profi-Footballspieler.

mw: Football spielt in Deutschland ja keine große Rolle im Sport und trotzdem verkaufen sich Deine Football-Liebesromane wie warme Semmeln – woran denkst Du, liegt das?

Poppy J. Anderson: Mit Football verknüpft man gewisse Vorstellungen – vor allem wir Frauen. Für uns sind Footballspieler allein dem Äußeren nach robuste, starke und kampferprobte Männer und demnach perfekte Protagonisten für Liebesromane. Wir lesen nun einmal gerne über Männer, die ihre Frauen beschützen können und gleichzeitig unter ihrer rauen Schale einen weichen Kern verstecken. Außerdem macht Erfolg sexy. Wenn ich mich zwischen einem gut aussehenden Footballspieler mit Waschbrettbauch und Homer Simpson in Unterwäsche entscheiden müsste, fiele mir die Wahl nicht allzu schwer.

mw: Deine ersten Werke hast Du selbst herausgegeben – was sind Deiner Meinung nach die Vorteile und was die Nachteile des Selbstverlegens?

Poppy J. Anderson: Der absolute Vorteil des Selbstverlegens ist die komplette Entscheidungsgewalt über die eigenen Bücher. Man kann alles so angehen und machen, wie man es selbst für richtig hält. Dies birgt natürlich das Risiko, dass das eigene Projekt auch schrecklich in die Hose gehen könnte. Außerdem ist der Zeitfaktor nicht zu unterschätzen. Als Selbstverleger darf man nicht nur alles allein machen, sondern ist auch dazu gezwungen, sich um alles selbst zu kümmern. Natürlich kann man die Arbeit aufteilen und beispielsweise einen Coverdesigner engagieren, dennoch bleibt es viel Arbeit.

mw: Welche Rolle spielen aus Deiner Sicht Marketing- und PR-Aktivitäten für Selfpublisher und welche Maßnahmen haben bei Dir viel gebracht, was weniger?

Poppy J. Anderson: Ohne Marketing ist man als Selfpublisher regelrecht aufgeschmissen. Es gibt nun einmal kein besonders sichtbares Regal wie im stationären Buchhandel, in dem dein Buch entdeckt wird. Du musst deine Leser selbst finden und darfst nicht darauf vertrauen, dass du von ihnen gefunden wirst. Netzwerke sind das A und O. Alles, was dir hilft, Neugier auf dein Buch zu wecken und sichtbar zu werden, ist ein gutes Instrument. Leserunden, Gewinnspiele in diversen Buchgruppen und die Vernetzung mit anderen Autoren sind ein wunderbarer Anfang. Zum Beispiel habe ich im vergangenen Sommer ein Fotoshooting mit drei männlichen Models ins Leben gerufen, die passende Trikots meines fiktiven Footballteams trugen, und habe eine Verlosung unter meinen Leserinnen veranstaltet. Wie viel solche Aktionen zu den Buchverkäufen beitragen, weiß ich zwar nicht, aber stillzustehen und nun nichts mehr zu machen, wäre vermutlich der falsche Schritt.

mw: Hast Du Dir dabei Unterstützung von einer erfahrenen PR-Agentur für Autoren geholt?

Poppy J. Anderson: Nein, bislang habe ich alles alleine gemacht und mich auf mein Bauchgefühl verlassen.

mw: Heute bist Du bei Rowohlt, einem von mir sehr geschätzten Verlag, unter Vertrag: Wie ist der Verlag auf Dich aufmerksam geworden und was hat sich seitdem für Dich verändert?

Poppy J. Anderson: Glücklicherweise bin ich bei einer ganz wunderbaren Agentur, die die Verbindung zu Rowohlt hergestellt hat. Ihr gebührt das Lob und nicht mir. Verändert hat sich im Rahmen des Selfpublishings zwar nichts, aber ich habe den Eindruck, in der traditionellen Buchbranche eher akzeptiert zu werden, seit das Rowohlt-Logo auf drei meiner Taschenbücher prangt.

mw: Wie sieht die Marketing- und PR-Arbeit von Rowohlt für Dich aus, wobei unterstützen sie Dich und was machst Du immer noch selbst?

Poppy J. Anderson: Da ich nicht der Typ dafür bin, die Hände in den Schoß zu legen, mache ich noch immer alles selbst, was meine neuen Bücher betrifft, die auch nichts mit Rowohlt zu tun haben. Der Verlag an sich hat diverse Marketingaktionen gestartet, als das erste Taschenbuch im Dezember 2014 erschien. Verlosungen durch Magazine und Leserunden auf Buchportalen haben mich sehr gefreut, da sie außerordentlich gut funktioniert haben.

mw: Du veröffentlichst hoch frequentiert und bist nun schon Jahre erfolgreich im Geschäft – was rätst Du Autoren, die schon eine Weile schreiben, aber es bisher noch nicht zu dem Erfolg geschafft haben, den sie sich wünschen?

Poppy J. Anderson: Das ist eine schwierige Frage, zumal ich nicht so vermessen erscheinen möchte, das Patentrezept zu kennen. Immerhin bin ich noch nicht einmal drei Jahren dabei. Ich weiß nur, dass sich meine ersten beiden Bücher ziemlich ordentlich verkauft haben, aber dass die Verkäufe erst beim dritten Buch stark anzogen und beim vierten Roman alle Erwartungen übertrafen. Man muss einfach am Ball bleiben.

mw: Verrate meinen Lesern bitte noch 3 Deiner Erfolgstipps.

Poppy J. Anderson: Das ist ebenfalls nicht besonders leicht zu beantworten, da ich selbst nicht weiß, was gut funktioniert und was eher nicht. Ich versuche es dennoch.

Erstens sollte man kontaktfreudig sein, auf Leser zugehen und sie auf das Buch neugierig machen, ohne sie plump mit Werbung zu bombardieren. Dies bedeutet, viel Zeit in den Aufbau von Netzwerken zu investieren und ständig präsent zu sein.

Zweitens sollte man aufgeschlossen sein und neue Ideen (Werbung) ausprobieren. Einfach nur ein Buch zu verlosen, ist zu unspektakulär. Startet lieber Aktionen, an denen eure Leser permanent teilnehmen können, und bemüht euch, sie so weit wie möglich zu streuen.

Drittens sollte man eine Marke aufbauen, die ein wenig Alleinstellungsmerkmal besitzt. Beispielsweise bemühe ich mich darum, mein Footballteam so realitätsnah wie möglich darzustellen. Ich habe nicht nur ein Logo, sondern ein Maskottchen, „lebendige“ Footballspieler und Cheerleader sowie Merchandising-Artikel, die verlost und auf Messen verteilt werden.

Vielen Dank für das wunderbare Interview.

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