27. November 2015 mainwunder

„Lituro soll das Facebook für Literaturliebhaber werden“

Interview mit Christoph Seydel, Gründer und Geschäftsführer von lituro.de, der neuen Online-Plattform für Autoren

Christoph Seydel_lituro_Pressebild_2HIGHRESDer Buchmarkt verändert sich zur Zeit stetig. Immer mehr Startups erblicken das Licht der Welt, immer mehr junge Gründer entwickeln neue Lösungen für Autoren. Sie alle haben eine Vision: Den Buchmarkt zu revolutionieren.
Heute stellen wir euch ein Unternehmen vor, bei dem es sich lohnt, nicht nur einen, sondern auch einen zweiten und dritten Blick zu riskieren. Wir sprechen von lituro, einer neuen Online-Plattform, die moderne, suchmaschinen-optimierte Autoren-Seiten anbietet und die Vernetzung innerhalb der Web-Welt erleichtert und stärkt.
 DIE neue Literaturplattform? Gründer und Geschäftsführer Christoph Seydel hat aus dem Nähkästchen geplaudert und erzählt uns, was gründen mit Mut zu tun hat und warum man in der heutigen Zeit groß denken sollte. Der Diplom Informatiker hat bereits vor der Gründung von lituro mehrere Jahre in verschiedenen Berliner Startups als Webentwickler gearbeitet. Sein Wissen und seine Erkenntnisse in Bezug auf die Onlinebranche will er nun dem sich im digitalen Aufbruch befindenden Buchmarkt zugänglich machen. Mehr Informationen unter www.lituro.de 

mw: Lieber Christoph, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, meinen Lesern mehr über lituro.de zu erzählen. Was genau steckt hinter lituro.de? Worum geht es?

Christoph Seydel: Hallo Tanja, sehr gerne nehme ich mir die Zeit dafür. lituro bietet Onlinemarketing-Lösungen für Autorinnen und Autoren sowie Verlage an. Bildlich gesprochen wollen wir die Buchvermarktung so einfach wie das Umblättern einer Seite machen. Im Detail gelingt uns das für Autoren vor allem durch die lituro-Autorenseite.

mw: Wie bist Du auf die Idee gekommen, lituro zu gründen?

Christoph Seydel: Ich habe Mitte 2014 mit dem Gedanken gespielt, ein Buch zu schreiben und habe mich der Buchwelt online genähert. Dabei ist mir aufgefallen, was für eine Herausforderung es ist, Marketing für sich und sein Werk zu betreiben. Durch meinen beruflichen Werdegang, ich konzipiere und entwickle Webapplikationen seit meinem Studium, nahm schnell lituro in meinem Kopf Gestalt an und hat mich auch nicht mehr losgelassen. Das Buch habe ich bislang nicht geschrieben, aber dafür ist lituro entstanden.

mw: Auf den ersten Blick könnte man sagen: Nur noch ein weiteres Literaturportal. Dem ist aber nicht so – es gibt nämlich ein paar Besonderheiten. Erzählst Du uns mehr davon?

Christoph Seydel: Es ist richtig, dass wir lituro nicht als einfaches Literaturportal sehen, sondern viel eher als Marketing-Portal für Autorinnen und Autoren sowie Verlage.

Mit der lituro-Autorenseite möchten wir Autorinnen und Autoren die Möglichkeit geben, eine moderne, rund um ihre Bedürfnisse konzipierte Webseite zu erstellen, die gleichzeitig als Micro-Blog genutzt werden kann und starke Integration zur Facebook-Fanpage sowie zum Twitter-Account aufweist. Zusätzlich bieten wir ein Shop-Modul, welches die Werke des Autors für den Leser sichtbar macht und ihn entscheiden lässt, auf welche Art und wo er bei Interesse kaufen kann. Wir wollen uns hier auch so breit wie möglich präsentieren und mit vielen Partnern wie auch mit den Verlagen zusammenarbeiten.

Auf der Plattform selbst sehen wir das Werk als Ausgangspunkt, unabhängig vom Medium, also unabhängig ob es als Hardcover, Softcover, eBook oder Audiobook vorliegt und verknüpfen es sowohl mit dem Autor, als auch mit dem Verlag.

mw: Als Autor kann ich mir auf lituro.de eine eigene Autorenseite anlegen. Wie funktioniert das genau? Bekommen die Autoren für ihre Seite auch eine eigene Domain mit ihrem Namen?

Christoph Seydel: Wir haben bei der Entwicklung modernste Techniken und Technologien eingesetzt und sichern so, dass die Autorenseite auf allen Endgeräten, also PCs, Notebooks, Tablets oder Smartphones, hervorragend funktioniert und gut aussieht.

Mit einer einfachen Anmeldung und ein paar Klicks in unserem Administrationsbereich kann sich jede Autorin und jeder Autor seine persönliche Autorenseite zusammenstellen, die individuell aus Modulen besteht, die mit Autoren zusammen entwickelt wurden. Die Autorenseite kann dann auch als vollwertige, eigene Homepage mit der eigenen Domain genutzt werden.

Wir haben uns bewusst lange Zeit genommen, um die Bedienung intuitiv und einfach zu gestalten.

Durch die sich bildenden Verknüpfungspunkte wie dem Shopsystem, welches zu Partnern leitet, die die Werke der Autorinnen und Autoren anbieten sowie dem lituro-Literaturkalender, in welchen alle Termine einfließen, die die Autoren im Terminmodul speichern, schaffen wir eine noch höhere Reichweite der eigenen Autorenseite zu den Lesern, die auf lituro sich informieren.

Die Autorenseite zusammen mit einer Domain zu vertreiben, ist die logische Weiterentwicklung der Technologie. Wir sind bereits dabei, uns hierfür Partner zu suchen, aber die Vermittlung von Domains birgt nicht nur technische, sondern auch betriebswirtschaftliche Hürden, die wir in nächster Zeit meistern werden.

mw: Die Plattform ist noch recht neu – wo soll die Reise denn in den nächsten Monaten, Jahren hingehen?

Christoph Seydel: Wir haben bereits einige Ideen, wie wir die Plattform in die Breite mit neuen Produktzusätzen, aber auch in die Tiefe mit Verbesserungen, die wir durch die Benutzung gelernt haben, weiterentwickeln wollen. Auf jeden Fall jedoch wollen wir den Weg, den wir bereits begonnen haben weiter verfolgen und Autorin bzw. Autor, Verlag und Leser über das Werk enger zusammenbringen.

mw: Stichwort Autorenseite: Die meisten Autoren haben bereits eine Autorenwebsite – nicht immer professionell erstellt, aber die Akzeptanz für die Bedeutung eines Webauftritts ist da. Oft wissen sie dann aber nicht, wie sie ihre Website in ihre sonstigen Aktivitäten im Web integrieren sollen. Wieso habt ihr euch dennoch auf das Anbieten einer Autorenseite entschieden und warum denkst Du, funktionieren diese Autorenseiten besser als eigene Websites?

Christoph Seydel: Einige Autorinnen und Autoren denken, dass, sobald die eigene Webseite online ist, sofort die Leser darauf stoßen. Dem ist nicht so. Alles dreht sich um Relevanz und kontinuierliche Sichtbarkeit. Wir glauben dabei an eine Mischung aus Vernetzung und technischer Optimierung. Auf lituro selbst bringen wir Werke und Autoren in eine semantische Verbindung, die auch so von Suchmaschinen erkannt wird. Durch die Verlinkung der eigenen Werke auf der Autorenseite festigen wir diese Verbindung und erzeugen Relevanz. Und da wir die Seite technisch optimiert haben, wird diese Relevanz bevorzugt sichtbar gemacht, da die Suchmaschine dem Leser bestmögliche Ergebnisse liefern will.

mw: Stichwort Buchmarketing: Wie stehst Du dazu und worin siehst Du die Chancen für Autoren, wenn sie neue Wege gehen?

Christoph Seydel: Ich finde Buchmarketing natürlich wichtig und glaube, dass man ohne Marketinganstrengungen keine Bücher verkaufen kann. Es kommt auf die richtigen Wege an, viele Menschen auf einmal zu erreichen. Für mich liegt der Wachstumsmarkt klar im Onlinegeschäft. Ich bin ein Datengläubiger und das ist durch viele Forschungen belegt. Viele Autoren haben auch dies bereits erkannt und sich eine Homepage, einen Blog und/oder eine Facebook-Fanpage angelegt. Das sind die einfachsten Mittel, aber auch die, die natürlich jeder macht. Dem entsprechend schwer ist es, sich dort von der Masse abzuheben, vor allem wenn man bedenkt, dass Verlage Social-Media auch für sich entdeckt haben und in dieses Medium mit einem weit höheren Budget eingetreten sind.

Ich glaube, dass man heute als Autor große Chancen hat, wenn man sich gut in Suchmaschinen präsentiert. So kann man die Leser auf sich aufmerksam machen, die vielleicht noch nie von einem gehört haben, aber etwas suchen, was man zu bieten hat.

Und wenn man nun noch bedenkt, dass bereits 46 Mio. Deutsche ein Smartphone besitzen und 40 Mio. ein Tablet, dann darf man diese Geräte nicht außer acht lassen und seine Präsenz auf diesen Geräten mindestens genauso gut gestalten, wie für einen herkömmlichen PC. Im übrigen erhöht man dadurch auch seine Auffindbarkeit in Suchmaschinen.

mw: Und die letzte Frage: WARUM tust Du das? Was ist Deine Vision, auf der Dein Unternehmen aufbaut?

Christoph Seydel: Man erwartet es von einem Informatiker vielleicht nicht, aber ich mag Literatur.

Sicher nicht alles – in meiner Schulzeit habe ich mir mehr als einmal gewünscht, Effi Briest wäre einfach von der Schaukel gefallen – aber die Werke von Goethe, Hesse und Tucholsky empfand ich immer als sehr erfüllend.

Ich habe lituro aber gegründet, weil ich denke, dass ich durch meine Erfahrung als Webentwickler im derzeitig stattfindenden Wandel der Buchbranche hin zum Onlinemarkt und im Aufblühen der Selfpublisher-Industrie einige neue Impulse in die Branche bringen kann. Das ist auch gleichzeitig meine Vision.

Ich habe heute gelesen, dass ein wichtiger Unterschied zwischen der deutschen Startup-Branche und dem Silicon Valley wäre, dass die Gründer dort groß denken.

Wenn ich nun unsere Vision beschreiben soll und weiß, dass Uber der größte Taxivermittler ohne Fahrzeuge, AirBnB der größte Zimmervermittler ohne Hotels und Alibaba der größte Onlineversand ohne Warenwirtschaft ist, dann möchte ich mit lituro der größte Buchvermittler werden, der nie ein Buch versandt hat. Wenn dabei ein Facebook für Literaturliebhaber entsteht, um so besser.

Klingt vielleicht unrealistisch und zu hoch gegriffen, aber auch deren Weg begann mit dem ersten Schritt. Und ganz ehrlich, wenn 9 von 10 Gründungen scheitern und 2 von 3 Ehen geschieden werden, dann ist doch gründen und heiraten auch unrealistisch. Ich hab beides getan.

Vielen Dank für das Interview!

 

 

 

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